Das Interview mit dem Elbinger Stadtpräsidenten Grzegorz Nowaczyk

Heute trage ich die erste meiner verprochenen Überraschungen. Es hat einige Zeit gedauert, aber endlich habe ich das Interview übersetzt. Ich bitte Sie natürlich um Verständnis, dass das so lange gedauert hat. Ich hoffe auch, ich habe eher mehr als weniger den Sinn der Aussagen des Stadtpräsidenten, Herrn Nowaczyk, in der deutschen Sprache ausgedrückt.

Viel Spaß beim Lesen!

 

Elbing.pl: Was verstehen Sie unter Erfrischung der Geschichte Elbings? Welche Bemühungen möchten Sie zu diesem Ziel unternehmen?

Grzegorz Nowaczyk: Stadtpräsidentenwechsel bedeutet immer Politikänderung. Das betrifft auch meine Einstellung sowie Einstellung meiner Mitarbeiter zur Geschichte und zur Identität unserer Stadt. Wir werden bestimmt die für Elbing wichtige Ereignisse und Jahrestage betonen, die die Identität von Elbingern geprägt haben: den Ausbruch des 2. Weltkriegs, die tragische Geschichte vom KZ Stutthof und vom Außenlager in Elbing, die Eroberung Elbings durch die Rote Armee im Februar 1945 sowie die gewalttätige Unterdrückung der Arbeiterproteste im Dezember 1970 und die Teilnahme der Elbinger Betriebe an den Streiks an der Ostseeküste, die zur Entstehung der Solidaritätsbewegung (poln. Solidarność) führten.

Alle diese Ereignisse sollten allen Elbingern bekannt und in moderner Form präsentiert werden. Das wird dank der Zusammenarbeit mit vielen Institutionen wie z.B. Europäisches Solidarność-Zentrum oder Polnisches Institut für Nationales Gedenken, möglich sein. Die bereiten ganz interessante Ausstellungen vor.

Eine andere, aber gar nicht weniger wichtigere Sache, ist Vorstellung der Errungenschaft der Stadt Elbing und seiner Bewohner, die hier noch vor dem 2. Weltkrieg gelebt haben. Es gibt eine Menge von Ereignissen in der Vergangenheit unserer Stadt, die historische Kontinuierlichkeit bilden, und somit  mit Stolz erfüllen können: Seebestrebungen des alten Elbings, hanseatische Bindungen, Multikulturalität der Stadt, Aufschwung der Industrie im 19. Jahrhundert. Das sind Ereignisse und historische Angelegenheiten, auf die sich sowohl die ehemaligen als auch die heutigen Elbinger berufen können. Ein Beispiel dazu wäre die deutsch-polnische Konferenz unter dem Titel „Wirtschaftliche Geschichte Preußens” (poln. „Historia gospodarcza Prus”), die in der Elbinger Stadtbibliothek im September 2011 stattgefunden hat. Während der Konferenz haben Vertreter der in Deutschland tätigen Historischen Komission ost- und westpreußischer Landesforschung sowie polnische Historiker, die sich mit dem Thema Preußens beschäftigen, Reden gehalten.

Ich möchte Sie versichern, alle sich auf Elbing beziehende historische Initiativen, die nich kontrovers sind, und die sich allgemeiner Zustimmung erfreuen, werden von mir unterstützt.

Ich freue mich auch sehr, dass die Elbinger Altstadt wieder über das Altstadtrathaus verfügt- dank der EU-Fonds-Unterstützung des Altstadtaufbaus. Das wiederaufgebaute Rathaus kann auch behliflich bei der „Erfrischung” der Geschichte sein dadurch, dass dort historische Konferenzen organisiert und interessante Ausstellungen präsentiert werden.

 

Auf welche Art Und Weise möchten Sie die deutsch-polnische Zusammenarbeit verwirklichen? Das ist ganz wichtig für die Deutschen, deren Vorfahren aus der Gegend stammen. Sie kommen ganz oft als Touristen zurück, und endecken, wie stark sie sich an den Ort gebunden fühlen. Was für Bedeutung kann das für die Beziehungen mit unseren westlichen Nachbarn haben?

Die deutsch-polnische Kooperationen, die von unserer Stadt iniitiert werden, stehen in Einklang mit gutnachbarlichen Beziehungen zwischen unseren Ländern. Elbing ist positiv gegenüber allen Initiativen eingestellt, die Zusammenarbeit zwischen den beiden Völkern bilden. Das habe ich der Frau Annette Klein (Generalkonsulin der Bundesrepublik Deutschland in Danzig) versichert, indem ich ihr viel Erfolg bei ihrer neuen Arbeit gewünscht habe.

Seit vielen Jahren schon arbeitet unsere Stadt mit der deutschen Stadt Leer zusammen. Wir haben auch Erfahrungen unserer deutschen Partner genutzt, wenn es um Stadtverwaltung/ Stadtmanagement geht. Vertreter unserer Städte besuchen sich gegenseitig bei verschiedenen Kulturangelegenheiten wie z.B. Stadtfeste. Deshalb ist Leer auch eine der nächsten Partnerstädte Elbings.

Wir sind uns auch dessen bewusst, dass vor allem die älteren Deutschen Elbing, ihre alte Heimat, aus sentimentalen Gründen besuchen. Wir möchten also, dass die Touristen sich hier wirklich wohl fühlen, und dass sie eine solche Möglichkeit haben, es zu sehen, wie die Stadt sich entwickelt und wie sie für die Vergangenheit und wertvolle Sehenswürdigekeiten sorgt. Wir entwickeln die Tourismus- sowie Kulturbasis in der Überzeugung, dass das eine wichtige Komponente der Anknüpfung der Zusammenarbeit sowie des gegenseitigen Kennenlernens der Völker ist.
Aus individueller Sicht möchte ich noch ein Beispiel erwähnen und zwar: die in Elbing geborene, deutsche Küstlerin Marie Luise Salden besucht unsere Stadt, und organisiert hier Küstler-Kurse im Kunstzentrum Galerie EL. Es freut mich sehr, dass die zwischenmenschlichen Beziehungen eine solche Art deutsch-polnischer Kontakte bilden.

 

Während Ihrer Wahlkampagne haben Sie über das Thema der Rückgabe von Kulturgütern geschrieben. Das kann eine schwierige Sache sein. Um welche Kulturgüter geht es Ihnen vor allem?

Ziehen Sie bitte in Betracht, dass Elbing nach seiner Identität sucht, und sie erneut entdeckt. Kulturgüter sind ein Weg der Aufbewahrung des kulturellen Gedächtnisses. Unsere Stadt hat sehr stark durch den 2. Weltkrieg gelitten. Viele wertvolle Sehenswürdigkeiten wurden zerstört, und viele wurden auch in verschiedene Richtungen abgefahren. Aus diesem Grunde werden wir natürlich danach streben, die mit Elbing verbundenen Kulturgüter rechtlich wiederzugewinnen. Jedoch sind solche Bestrebungen meistens nicht offensichtlich. Sie sind eher Gegenstand langer Verhandlungen.  Die Aktivität Polens bzgl. der verlorenen Kulturgüter ist international, und ein Beispiel dazu ist Nationales Verzeichnis der verlorenen und ins Ausland widerrechtlich abgefahrenen Sehenswürdigkeiten (poln. Krajowy wykaz zabytków skradzionych lub wywiezionych za granicę niezgodnie z prawem), das von dem polnischen Kultusministerium geführt wird.

 

Schon die ersten Wochen in Ihrem Amt haben schon wesentliche Änderungen in der  Strategie der Stadtverwaltung gezeigt. Vor allem, wenn es um die Informationspolitik geht. Wie sehen Sie weiter Marketing & Werbung- Sachen unserer Stadt? Planen Sie noch irgendwelche Aktivitäten auf internationaler Ebene?

Im Moment haben wir schon den Vertrag zur Stadtmarketingstrategie finalisiert. Elbing wird eine professionelle Marketingkampagne haben, vor der noch solide Forschung durchgeführt wird, die schwache und starke Seiten der Marke Elbings in Polen zeigt. Das ist die erste, professionalle Strategie, was ohne Zweifel Meilenstein in Richtung Werbung unserer Stadt ist. Ich hoffe, dass die Ergebnisse unserer Handlungen ganz schnell konkrete Vorteile bringen, und dass Elbing allgemein annerkannt wird. Wir haben uns auch auf die Schnelligkeit der Information konzentriert. Die neue Internetseite des Stadtamtes ist entstanden, in der wir aktuelle Informationen und Nachrichten über Entscheidungen eintragen, die Einfluss aufs Leben der Elbinger haben. Wir haben auch mit der Zeitschrift „Elbląski Serwis Miejski” (dt. „Elbinger Informationsservice”) angefangen, die unter die Bürger verteilt wird. Wir wollen auch auf Facebook erscheinen. Deshalb haben wir die Facebook-Seite Made in Elbląg geschafft, in der wir auch interessante Fotos zum Thema der Elbinger Ereignisse eintragen. All diese Aktivitäten sind Teile der Informationspolitik unserer Stadt. Elbing will auch an der Meisterschaft EURO 2012 mitwirken: wir bereiten die sog. Fun-Zone. Dort wird es möglich sein, in schöner Atmosphäre und auf einem Großbildschirm, Fußballspiele zu sehen. Wir möchten auch, dass der Ort sowohl vor als auch nach einem Fußballspiel „lebendig” ist. Wir arbeiten zusammen mit der Stadtverwaltung von Danzig, wo die Fußballspiele stattfinden. Wir wollen, dass interessante Elbiner Ereignisse in der Zeit der Meisterschaft Fußball-Fans dazu ermuntern, unsere Stadt zu besuchen.

 

Die sog. bürgerlichen Dienstage funktionieren in Elbing ganz wirksam als unmittelbares Mittel für die Kommunikation der Elbinger und der Stadtverwaltung. Auf welche Art und Weise können auch die Elbinger deutscher Herkunft, die konkrete Probleme oder Vorschläge ausdrücken möchten, mit der Stadtverwaltung in Verbindung kommen? Gibt es irgendwelche Kontaktdaten, die auch den Deutschsprachigen zur Verfügung stehen?

Alle Interessenten können die allgmeinen Kontaktformen benutzen also: schriftliche Form, E-mail, oder persönlicher Kontakt. Alle Kontaktdaten sind auf unserer Internetseite: www.umelblag.pl verfügbar. Jedes Schreiben, das an den Stadtpräsidenten gerichtet wird, wird übersetzt und an die richtige Abteilung des Stadtamtes weitergeleitet. Die Korrespondenz wird natürlich auch in deutscher Sprache beantwortet.

 

Ich bedanke mich sehr herzlich für die Beantwortung meiner Fragen,

Agnieszka Kopczyńska
Elbing.pl



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