Wir lieben das Marschland der Weichsel

Letztens ist ein neuer Verein entstanden. Er heißt “Wir lieben das Marschland der Weichsel” (poln. Stowarzyszenie Kochamy Żuławy). Die Mitglieder sind Menschen, die sich für das Marschland sehr interessieren, sowohl in Bezug auf die Vorkriegszeit als auch auf die Gegenwart. Der Verein bemüht sich, lokale Sehenswürdigkeiten zu retten, und er beschäftigt sich auch mit den Traditionen und mit der Geschichte. Der Verein hat auch eine Facebookseite!

der Verein Kochamy Żuławy

Frau Izabela Chojncka Skibicka, die dem Verein auch angehört, hat mich letztens angeschrieben. Sie hat eine Bitte, und ich hoffe Sie werden vielleicht behilflich sein können. Izabela sucht nach Menschen, die das Dorf Klakendorf (poln. Kławki), in der Nähe von Altfelde, Kreis Marienburg, kennen. Hier lebte unter anderem Peter Esau. Hier wurde von Jakob Martens  ein Vorlaubenhaus gebaut. Jetzt möchte ein junger Architekt das Haus wiederaufbauen. Er verfügt aber über keine Fotos von dem Haus aus der Vorkrieszeit. Falls jemand behiflich sein könnte, bitte um Info. Kontakt zu Izabela Chojnacka-Skibicka: [email protected]

 das Vorlaubenhaus in Klakendorf

das Vorlaubenhaus in Klakendorf 2

das Vorlaubenhaus in Klakendorf 3



5 Kommentare

  1. Karl PAETSCH says:

    Beim Blättern durch die interessanten Seiten von Elbing bin ich auf diese Bilder und die Gruppe der Freunde der Weichsel Niederung gestoßen. Ich weiß, dass Altfelde weit südlich von meinem Geburtsort “Fischerskampe” und von Zeyer(heute:Kepki)liegt. Doch alles ist in vorigen Jahrhunderten in dem Weichsel/Nogat-Delta entstanden. Daher glaube ich dass die Gruppe mein “Nogat-Delta-Lied” kennen sollte, dass zur Feier am alten Friedhof Zeyer 2009 gesungen wurde. Da ich annehme, dass “Aga” hinter diesen Seiten steht, kann sie – bei Interesse – gerne vermitteln. Liebe Grüsse an Aga, Karl Paetsch
    (evtl. kann sie es ja auch in polnisch übesetzen?)

    • Mein Vater ist 1930 in Fischerskampe geboren. Er wollte nie ueber seine alte Heimat oder seiner Kindheit sprechen. Er lebte mit seinem Grossvater auf einem Gut. Er hiess Kurt Gehrmann. Haben Sie ihn zufaelligerweise gekannt?

  2. Karl Paetsch says:

    2014-09-07 12:15 GMT+02:00 [email protected] :

    Liebe Frau Gisela Hacker,

    ich hoffe ja, dass ich Sie über diese Adresse und über das Portal “Marschland der Weichsel” erreiche, denn mir ist unklar, wohin diese Antwort wirklich gesendet wird.

    Da es sich offensichtlich um eine Nachforschung zu Ihrer Familie handelt, möchte ich versuchen – so weit, wie möglich – zu helfen. Leider geht aus Ihrer Anfrage nicht hervor, ob Ihr Großvater Kurt Gehrmann noch lebt (er wäre jetzt 84/85 Jahre alt).

    Ich bin 1932 in Fischerskampe geboren und habe von April 1939 bis Mai 1940 die einklassige Volksschule in Fischerskampe besucht. (alle Jahrgänge vom 1. bis 8 Schuljahr wurden in einem Klassenraum unterrichtet). Ab Mai 1940 zog meine Familie nach Ellerwald 3. Trift, und damit ich in eine andere Schule. Ich schreibe dies so ausführlich, damit Sie verstehen können, dass meine Erinnerungen aus meinem 6. bis 8. Lebensjahr nur sehr schwach sein können.

    Zu Ihrer Frage: Ja, ich erinnere mich an einen Mitschüler Kurt Gehrmann, der etwas älter als ich war! Jedoch bin ich unsicher, ob bei den weiteren Einzelheiten eventuell eine Verwechlung mit einem anderen Mitschüler vorliegt. Der Kurt G. (oder der andere) wohnte in einem Bauernhof abseits des Nogatdamms (wo die meisten Bauernhöfe lagen), er hatte im Kleinkindes-Alter einen Unfall gehabt, bei dem er durch Feuer gefährliche Verbrennungen erlitten hatte. Daher waren starke Narben an Händen und evtl. auch im Gesicht zurück geblieben. Diese Narben dürften auch in späteren Jahren nicht völlig verschwunden sein. – Wenn also Ihr Großvater derartige Zeichen von frühen Verbrennungen gehabt haben sollte, so würde sich der “Kreis schließen”.

    Es ist nicht viel mehr, was ich darüber zu berichten weiß. Leider sind in den letzten Jahren einige Personen aus Fischerskampe, zu denen ich wieder Kontakt hatte und die eventuell besser als ich darüber etwas wissen müßten, verstorben.

    Es würde mich interessieren, ob Sie mit dieser Information etwas anfangen können.

    Mit freundlichem Gruß; Karl P.

    • Lieber Herr Paetsch:

      (auch ich weiss nicht ob ich Sie durch Ihren T-online account erreicht habe. Oftmals haben Freunde von Deutschland Probleme ihre e-mails durch Comcast.net zu bringen, deswegen waere ich ueber eine Rueckantwort dankbar. Gisela)

      Der “Kreiss hat sich tatsaechlich geschlossen”. Sie koennen sich gar nicht vorstellen was mir Ihre Mitteilung bedeutet hat. Es war fuer mich eine ungeheurige Nachricht, zu lesen wie sie meinen Vater als Kind beschrieben haben. Was ein Erinnerungsvermoegen Sie doch haben muessen. Ich weiss nicht ob ich mich selbst noch an meine Kindheitsgenossen aus dem 2. Schuljahr erinnern koennte. Ich danke Gott fuer Sie, denn durch Sie habe ich ein Stueck von meinem Vater zurueckerhalten. Mein Vater hatte Brandwunden ueber seinem ganzen Koerper, besonders bemerklich an seinem Gesicht und Haenden. Als Vierjaehriger wurder er zusammen mit seiner 2-jaehrigen Schwester von seiner Stiefmutter in eine brennende Scheune eingesperrt. Bis Retter ihn fanden, war er uber den groessten Teil seines Koerpers verbrannt. Mit diesen Wunden ist er duch sein ganzes Leben gegangen. Das koennte auch der Grund sein, warum sie sich noch an meinen Vater erinnern nach all den Jahren.

      Ich schreibe diese Antwort aus der USA. Dort habe ich die letzten 40 Jahre gelebt. Mein Vater, Kurt Gehrmann, der am 6. September 1930 in Fisherskampe auf die Welt kam, verstarb unerwartet Dezember 2, 2002 in Mainz/Rhein. Meine Geschwister und ich (geb. 1952, 1953 und 1957) durften ihn nie ueber seine Kindheit fragen. Er weigerte sich davon zu sprechen und unsere Mutter sagte nur er haette zu viele schlimme Erinnerungen und wir sollten ihn in Ruhe lassen. Als ich 17 war verbrachte ich ein paar Tage mit seiner einzigen ueberlebenden Tante, die – wie auch mein Vater – vor den Russen fluechten musste. Sie erzaehlte mir zum erstenmal schreckliche Dinge deren mein Vater als Kind ausgesetzt war und auch ueber die Grauen der Flucht. Seitdem sah ich meinen Vater mit andern Augen. Ich wollte ich haette ihm sagen koennen wie sehr es mir leid getan hat das er so etwas mitmachen musste, aber das Taboo wurde nie angesprochen. Heute, mit 60 Jahren, versuche ich ein paar Erinnerungen auf Papier zu bringen und deswegen suchte ich nach dem Geburtsort meines Vaters. Sie haben mir einen unglaublichen Gefallen getan, uber meinen Vater zu schreiben. Ich bin Ihnen sehr dankbar. So wie ich herausgefunden habe, hatte Fisherskampe in 1944 nur 293 Einwohner. Ich wollte ich haette frueher angefangen, das Leben meines Vaters herauszuforschen aber ich war immer zu beschaeftigt. Heute ist niemand mehr da, den ich fragen koennte. Ich habe mit Grauen die vielen Fluchtberichte auf der internet gelesen, von vielen die auch wie mein Vater, Kinder waren auf der Flucht und ich kann nur annehmen, haette mein Vater seine Erinnerungen auf Papier bringen koennen, haette er sich vielleicht die Geschehen vom Herzen schreiben koennen wie andere es taten. Ich nehme an, dass auch Sie Fluchterinnerungen mit sich tragen, es sei den sie waren damals ganz aus der Gegend verzogen. Ich weiss nicht wo Trift liegt.

      Vielen Dank fuer Ihre Antwort und Ihre Geduld, mir zuzuhoeren. Sie haetten mir keinen groesseren Gefallen tun koennen. Moege Gott sie segnen dafuer.

      Gisela Hacker, Venice, Florida

  3. Karl Paetsch says:

    Liebe Frau Hacker in Florida, Ihre Antwort über den geschlossenen Kreis habe ich erhalten und mich auch gewundert, dass die alten Erinnerungen nicht ganz falsch sind. Wenn es dann auch noch helfen kann, ein Puzzel in Ihrer Familiengeschichte zu komplettieren, so freut es mich sehr. Weil dieser Dialog ueber das Portal “marschland-elbing” laeuft, ist bisher Ihre e-mail Adresse bei mir nicht erschienen, so dass ich nicht direkt an Sie schreiben kann (es sollte gehen, wenn ich Ihre komplette Adresse finden wuerde) Versuchen Sie es bitte mal ueber “[email protected]”. Wenn das ankommt, kann ich auch Ihre Adresse im Absender finden. Gruss, Karl Paetsch

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