Interviews

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Elbing und Polen heute- Interview II

Dieses Jahr hatte ich eine sehr angenehme Möglichkeit, Wolfgang Mischor, seine Frau Monika und seine Schwester Ruth kennen zu lernen. Die allen drei haben nicht nur mich besucht sondern auch meine Schwiegermutter in Molthainen. Ich habe es mir gedacht, es wäre für die lieben Leser wertvoll, sie auch kennen zu lernen.

Ich: Ich weiß etwas verbindet Euch Stark mit Polen.  Was ist es? Könnt Ihr etwas darüber schreiben?
Wolfgang Mischor: Mein Vater und seine Eltern stammen aus dem jetzigen Polen, welches früher Ostpreußen hieß. Meine Halbgeschwister, 2 Jungen, sind in Gerdauen geboren.
Ich selbst bin in Berlin geboren.
Ich: Ihr habt dieses Jahr eine wunderschöne, lange Reise nach und in Polen gemacht. Wieso habt Ihr diese und nicht eine andere Strecke gewählt? Wieso seid Ihr nach Molthainen gefahren?
Wolfgang Mischor: Es war ein Geburtstagsgeschenk meiner Frau. Sie wusste, dass ich schon lange mit meinem Bruder eine Reise in seine und unseres Vaters Heimat machen wollte. Leider ist mein Bruder gestorben und unser Plan ging nicht in Erfüllung. Meine Frau erklärte sich bereit, mit mir nach Ermland und Masuren zu fahren. Da wir mit unserem Wohnwagengespann fuhren, machte ich eine Reiseplanung und die führte über Stettin, Walcz, Bydgoszcz, Olsztyn an die Masurischen Seen. Von dort aus wollte ich direkt nach Arklitten und Molthainen.
Ich: Was für Städte habt Ihr besucht? Was war im Falle von den Einzelstädten überraschend für Euch?
Wolfgang Mischor: Wir haben Gizycko, Wegorzewo, Ketrzyn, Reszel, Mikolajki im ersten Teil besucht. Natürlich haben wir die Landschaft dieser Gegend genossen. Bei Swieta Lipka (Pilec)
fanden wir einen anderen sehr schönen Stellplatz direkt am See. Danach ging es nach Elbląg, eine sehr schöne Stadt mit einem sehr schönen Campingplatz. In punkto Sauberkeit wunderbar. Von dort aus besuchten wir natürlich Malbork, Gdansk und die Halbinsel Hel. Alle Städte, ob groß oder klein waren sehr sauber und es wurde an sehr vielen Stellen renoviert und die Straßen in Stand gesetzt. Die
Menschen waren sehr nett und zuvorkommend.
Ich: Was war für Euch am wertvollsten an dieser Reise?
Wolfgang Mischor: Mein jahrelanger Wunsch war es, in die Heimat meines Vaters zu fahren, diese Sehnsucht zu stillen und Natur zu genießen, die es woanders nicht mehr gibt. Menschen kennenzulernen, die viele Jahre nicht all das hatten, was für uns selbstverständlich war. Menschen, die heute als wirklich liebenswert, zuvorkommend und aufstrebend anerkannt werden, was früher durch Politik und Grenzen nicht möglich war.
Ich: Was habt  Ihr bedauert?
Wolfgang Mischor: Wir haben sehr bedauert, dass unsere Urlaubszeit zu kurz war und wir nicht alles sehen konnten was wir sehen wollten. Das erscheint im Nachhinein als gut, weil wir auf jeden Fall 2010 eine neue Reise in dieses wunderschöne Land machen.
Meine Frau sagte Ostpreußen ist ein Land, dort muss man immer wieder hin.
Ich: Ihr habt eine neue Internetseite zum Leben gebracht (www.arklitten-molthainen.de). Was für einen Inhalt wird im Falle von der Seite vorausgesetzt? Was für Ziele wird diese Webseite haben?
Wolfgang Mischor: Liebe Aga, die Frage ist für mich eine sehr schwere Frage. Die Idee, eine Website von Arklitten-Mothainen zu machen kam ganz spontan. Es hat neulich einen Menschen gegeben, der hat eine Webseite von Elbingen und das in Deutsch ins Internet gestellt. Das war der Auslöser für die Idee, das auch für Molthainen + Arklitten zu tun. Eigentlich will ich meine Verbundenheit zur Heimat meiner Familie und der einmaligen Natur Ostpreußens kundgeben. Leider musste ich erst 60 Jahre alt werden, um mir diesen Wunsch zu erfüllen.

Arklitter See

Arklitter See

Ich: Letztens ist Ihr erstes Enkelkind geboren. Was werdet Ihr ihm über Polen beibringen? Denken Sie, dass Jugendliche überhaupt Interesse an der Vergangenheit haben?
Wolfgang Mischor: Nun, unserem Amon werde ich nicht vorenthalten, von wo unsere Familie väterlicherseits stammt. Ich werde ihm auch erzählen, warum es heute nicht mehr Deutschland ist und wie es dazu kam. Ich werde ihm erklären, dass es wichtig ist heute wieder als Gast ins ehemalige Ostpreußen fahren zu können. Denn alle Menschen sollten sich über diese wunderbare Landschaft, die sich auch die Störche als Geburtsheimat ausgesucht haben, erfreuen.
Ich: Ihr habt mal gesagt Ihr kennt einen Mann, der in Elbing geboren ist.  Könnt Ihr etwas mehr über ihn schreiben?
Wolfgang Mischor: Der Mann heißt Horst Dreher, ist 76 Jahre alt und kann nicht mehr allein nach Elbing fahren. Er hat auch keine Kontakte mehr nach Elbing. Ich hatte ihn eingeladen, bei mir die Fotos aus dem Urlaub und die Homepages anzuschauen. Er kam neulich und sah sich alles an.  Ich hatte ihm dann per email über seine Tochter die mit in seinem Haus wohnt die Links von dir und Pfau geschickt. Ich hoffe, dass er sich gut durch die Homepage klickt.
Ich: Was für einen Eindruck hat auf Euch Elbing gemacht?
Wolfgang Mischor: Als wir in Elbing hineinfuhren dachten wir, hoffentlich finden wir den Campingplatz. Wir kamen über die Brücke, die über den Eblag oder die Elbing führt. Plötzlich sahen wir von oben den Platz. Als wir dann erfahren haben, dass es nur ein paar Meter bis in die Innenstadt sind, fanden wir Elbing schon sehr sympathisch. Der erste Spaziergang machte uns die Stadt noch sympathischer, denn wir stellten fest, dass es eine sehr saubere Stadt ist, in der sehr viel renoviert und gebaut wird, die Straßen sind in Ordnung oder wurden repariert. Also TOP.
Ich: Wie schätzen Sie das touristische Angebot Polens ein? Woran sollte man noch arbeiten?
Wolfgang Mischor: Für mich als Kulturbanause aber Naturliebhaber steht natürlich die Landschaft mit der Natur und noch vielfältigem Tierbestand im Vordergrund. Man muss hier darauf achten, dass dieses Juwel nicht ausverkauft wird. Natürlich muss der Tourismus eingeführt werden, jedoch langsam und durchdacht.
Ich: Vielen Dank für Ihre Zeit und Mühe. Liebe Grüße nach Deutschland!

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Elbląg heute – Interview I

Die Stadt entwickelt sich. Vielleicht nicht so schnell, wie es manche von uns möchten. Für jemanden, der hier lebt, sind alle Veränderungen nich eindeutig zu merken, aber die Menschen, die hier mal gelebt haben, und heute Elbląg nur ab und zu besuchen, können sicherlich mehr sagen. Herr Baumann war so net, dass er ein paar Fragen von mir beantwortet hat. So präsentieren sich die Eindrücke von Frau und Herrn Baumann:
Ich: Woraus resultiert Ihre Beziehung zu Elbląg? Wie ist die Geschichte der Beziehung?
Kurt Baumann:  Elbing ist ja unsere ehemalige Heimat, dort sind wir geboren und aufgewachsen. Bis zu meinem 18. Lebensjahr (1928 geboren), habe ich dort in der Nähe gelebt und kenne die Stadt noch von früher. Meine Frau ist in Elbing 1939 geboren. Seit 1970 waren wir schon sehr oft in der alten Heimat und bewundern den Aufbau der zerstörten Altstadt.
Ich: Haben Sie schon andere polnische Städte besucht?
Kurt Baumann:  Wir haben auch andere Städte besucht: Danzig, Marienburg, Allenstein, Osterode, Frauenburg, Thorn, Stettin  u.a..
Ich: Wie finden Sie die heutige Stadt Elbląg? Was sind seine Schwächen? Wie denken Sie: woraus ergeben Sie sich?
Kurt Baumann:  Wir finden die Stadt in ihrem Wiederaufbau schön und modern. Einige Straßen und die alte Straßenbahn sind nicht sehr angenehm. Weniger schön finden wir auch die vielen Hochhäuser in der ehemalige Pangritzkolonie. Die Entwicklung der Stadt in den letzten Jahren hat uns aber angenehm beeindruckt .
Ich: Was hat Sie in dem heutigen Elbląg besonders schockiert/ verblüfft?
Kurt Baumann:  Schockiert hat uns eigentlich nichts. Bestaunt haben wir aber den Neubau der Europabrücke, das Sraßenkreuz- West und den Neubau der Straße Nr. 22.
Ich: Was ist Ihrer Meinung nach das wichtigste/ schönste Gebäude in Elbląg?
Kurt Baumann:  Die schönsten Bauten waren für uns, das alte Markttor, das Gerichtsgebäude, das ehemalige Schichaugebäude, die Nikolaikirche, das Rathaus, die vielen Neubauten in der Altstadt.

Das Gerichtsgebäude

Das Gerichtsgebäude

Ich: Wie würden Sie die Atmosphäre der Stadt beschreiben?
Kurt Baumann: Die Atmosphäre in der Stadt hat sich sehr positiv entwickelt, sie ist lebendig und modern geworden, auch das kulturelle Angebot ist gut. Es gibt viele Bistros, Gaststätten, Kaffees u. a. .
Ich: Was für Bedeutung hat für Sie der deutsch- polnische Dialog? Wie könnte, Ihrer Meinung nach, unsere Stadt daran teilnehmen?
Kurt Baumann: Wir fahren gerne nach Elbing und überhaupt nach Polen. Für uns ist der deutsch – polnische Dialog sehr wichtig, weil nur so eine gute und friedliche Nachbarschaft möglich ist. Es darf zwischen Deutschen und Polen nie wieder ein 1939 geben. Diese schrecklichen Ereignisse darf  es nie mehr geben. Bei all unseren Besuchen in Elbing trafen wir immer auf freundliche und sehr nette Menschen, das möge so bleiben.
Ich: Vielen Dank für Ihre Worte! Und viele Grüße nach Deutschland!

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